Business Knigge international

Andere Länder, andere Sitten. Leider nur zu wahr. Selbst wer auf dem deutschen Knigge-Parkett traumhaft sicher wandelt, kann auf dem internationalen gehörig ausrutschen. Im Nachhinein ergeben sich daraus sicher sehr nette Anekdoten, aber zum Zeitpunkt des Geschehens ist es einfach nur peinlich. Hier eine kleine Auswahl nationaler Unterscheide:

Business Knigge – Frankreich

  • Begrüßung: Händedruck üblich. Kann wegfallen, wenn man sich sehr oft sieht. Privat wird umarmt mit drei bis vier Küssen auf die Wangen.
  • Anrede: „Monsieur“ und „Madame“, bei jüngeren Frauen auch „Mademoiselle“ plus Nachname. Wenn der Nachname nicht bekannt ist, können Sie ihn weglassen.
  • Kleidung: Chic und qualitativ hochwertig, aber eher konservativ.
  • Tabus: Kritik an Frankreich, der Zweite Weltkrieg
  • Pünktlichkeit: Wird erwartet, die Franzosen nehmen es selbst aber nicht so genau.

Konversation: über Gott und die Welt, Geschäftliches wird erst gegen Ende der Sitzung besprochen.

Business Knigge – Großbritannien

  • Begrüßung: Händedruck eher nicht.
  • Anrede: „Mister“ und „Mrs“, auch „Miss“ bei jungen Frauen plus Nachname. Beim Vorstellen gilt: Männer nennen nur ihren Nachnamen, Frauen können auch „Mrs“ oder „Miss“ davor setzen. Im späteren Kontakt ist aber auch nur der Vorname üblich.
  • Kleidung: Auf formelle Kleidung wird viel Wert gelegt. Die Krawatte ist ein Muss.
  • Tabus: Kritik, Humorlosigkeit, Nordirland, Kritik am Königshaus
  • Pünktlichkeit: Bei geschäftlichen Meetings wichtig. Bei privaten Einladungen erwartet aber niemand, dass Sie auf die Minute pünktlich kommen. Zehn Minuten später dürfen es schon sein.

Business Knigge – Italien

  • Begrüßung: Handschlag. Gute Geschäftsfreunde umarmen und küssen sich.
  • Anrede: „Signore“, „Signora“ und „Signorina“ bei jungen Frauen können auch allein benutzt werden, wenn man den Namen nicht kennt. Titel müssen unbedingt genannt werden. Wenn jemand studiert hat, sollten sie ihn „Dottore“ nennen.
  • Kleidung: In Italien ist Eleganz gefragt.
  • Tabus: Ablehnung einer Essenseinladung. Anrufe zur Mittagszeit, da meist sehr ausgiebig und lange Pause gemacht wird – am besten, Sie vermeiden Anrufe zwischen 12 und 15 Uhr.
  • Pünktlichkeit: Unpünktlichkeit ist auch in Italien nicht höflich.

Business Knigge – Spanien

  • Begrüßung: Wenn Ihnen Ihr Gesprächspartner die Hand entgegenstreckt, sollten Sie den Händedruck wählen. Ansonsten ist er nicht so üblich wie bei uns.
  • Anrede: „Senor“ und „Senora“, „Seniorita“ für junge Frauen. Können auch allein stehen, wenn der Name nicht bekannt ist.
  • Kleidung: Klassisch und korrekt. Nicht zu viel Farbe. Kurze Röcke und große Dekolletées sollten Sie vermeiden. Jacketts dürfen nach einiger Zeit ausgezogen werden.
  • Tabus: Störungen in der Mittagspause von 13.30 bis 15.30 Uhr, Geschäftsgespräche während des Essens, Kritik am Stierkampf oder an der katholischen Kirche, ETA, Baskenkonflikt
  • Pünktlichkeit: wichtig
  • Sonstiges: Bringen Sie auch im Geschäftsleben Gastgeschenke mit.

Business Knigge – Skandinavien

  • Begrüßung: Hände schütteln ist ein Muss. Sie stellen sich mit vollem Namen vor.
  • Anrede: Am besten wählen Sie die englische Form, denn es wird nicht erwartet, dass Sie sich in der jeweiligen Sprache ausdrücken. Auf Titel wird im persönlichen Gespräch nicht so viel Wert gelegt.
  • Kleidung: Klassisch, aber nicht zu formell.
  • Tabus: EU und Walfangprobleme
  • Pünktlichkeit: wichtig

Business Knigge – USA

  • Begrüßung: Bei ersten Begegnungen oder wenn man sich länger nicht gesehen hat, werden Hände geschüttelt, ansonsten eher sparsam.
  • Anrede: „Mr.“ und „Mrs.“. Ein „Miss“ für „Fräulein“ ist nicht angebracht. Wenn Sie den Nachnamen nicht kennen: „Sir“ und „Madam“. In den USA wird sehr schnell zum Vornamen gewechselt. Warten Sie aber besser ab, bis man Ihnen diese Form der Anrede anbietet.
  • Kleidung: Konservativ und absolut korrekt. Wenig Haut. Strümpfe müssen auch bei hohen Temperaturen sein.
  • Tabus: Kritik am Präsidenten, Alkoholmissbrauch, Rauchen (auch im Freien ein Tabu), Sexualität
  • Pünktlichkeit: wichtig
  • Titel/Status: hierauf legen Amerikaner wenig wert, man sollte daher nicht versuchen, sie damit zu beeindrucken
  • Small Talk: gekonnter Small Talk auf hohem Niveau ist hier stark gefragt, denn es ist wichtig, eine gute persönliche Beziehung zu den Ansprechpartnern aufzubauen, bevor es um Business Fragen geht
  • Sonstiges: Bei privaten Einladungen sollten Sie ein Gastgeschenk mitbringen. Versuchen Sie nicht krampfhaft, die Essensgewohnheiten der Amerikaner nachzuahmen. Sie müssen also nicht die Speisen vorschneiden, um dann mit der linken Hand unter dem Tisch nur mit der Gabel zu essen.

Business Knigge – Japan

  • Begrüßung: Konservative Japaner beginnen mit einer tiefen Verbeugung, bei der die Hände mit einem geraden Rücken vor der Brust gefaltet werden. Warten Sie am besten ab, was Ihr Gesprächspartner macht und machen Sie es ihm dann nach.
  • Anrede: Verwenden Sie die amerikanischen Anreden, wenn Sie sich mit den jeweiligen japanischen nicht sicher sind.
  • Kleidung: Formell mit wenig Farbe. Haut sollte nicht gezeigt werden.
  • Tabus: Sich selbst einschenken (auch Sie müssen Ihrem Nachbarn einschenken), keine weißen oder aus vier Teilen bestehende Gastgeschenke, Gastgeschenke dem Gastgeber unter vier Augen übergeben, zu forsches Auftreten von Frauen ist nicht gern gesehen.
  • Pünktlichkeit: sehr wichtig
  • Sonstiges: Nehmen Sie jede Menge Visitenkarten mit, sie sind ein Lieblingsspielzeug der Japaner. Gastgeschenke müssen Sie immer mit zwei Händen übergeben. Abendliche Veranstaltungen mit Alkohol und eventuell Karaoke gehören zu jedem Geschäftskontakt dazu. Frauen sind dabei nicht erwünscht.

Business Knigge – China

  • Begrüßung: Händedruck. Frauen werden nicht zuerst begrüßt.
  • Anrede: Englische Anrede ist möglich. Der Nachname steht bei schriftlicher Erwähnung eines Namens zuerst.
  • Kleidung: Klassisch und mit wenig Haut.
  • Tabus: Gespräche über die chinesische Revolution, Küssen in der Öffentlichkeit, den Teller leer essen (lassen Sie immer einen kleinen Rest übrig), die Stäbchen nie senkrecht in einer Reisschale ablegen.
  • Pünktlichkeit: wichtig
  • Sonstiges: Beim Essen legt der Gastgeber Ihnen vor. Sie müssen nicht mit Stäbchen essen, aber wenn Sie es versuchen, können Sie punkten.

Business Knigge – Arabische Länder

  • Begrüßung: Machen Sie nicht den Fehler und umarmen und küssen Sie von sich aus einen Geschäftspartner. Die Araber pflegen diesen Brauch untereinander, im Kontakt mit Ausländern ist er aber nicht unbedingt üblich. Warten Sie ab, wie Ihr Partner reagiert.
  • Anrede: Sie können die englische Version wählen.
  • Kleidung: Sehr formell, bei Frauen nicht zu sehr auf Figur geschnitten und dabei wenig Haut zeigen. Auch die Handgelenke sollten möglichst bedeckt sein.
  • Tabus: Speisen nie mit der linken Hand nehmen, Kritik am Herrscherhaus, am Islam oder der Stellung der Frau, das Kreuz-Symbol, Gastgeschenke mit Alkohol.
  • Sonstiges: Machen Sie sich auf lange Verhandlungen gefasst und bereiten Sie sich auf unpünktliche Gesprächspartner vor. Gastgeschenke bei privaten Einladungen sind erwünscht.

 

Wer seine interkulturellen Skills vor ab testen möchte, dem empfehlen wir den Business Knigge Test

 

Verhandlungen auf internationalem Parkett

 

Oftmals geht es auf Geschäftsterminen im Ausland nicht nur um ein erstes Kennenlernen, sondern direkt um das Aushandeln eines konkreten Auftrags. Trotz der starken Business Orientierung kann der Termin jedoch schnell nach hinten los gehen, und man fliegt am Ende ohne unterzeichnete Verträge zurück nach hause. Denn gerade in den USA und England wird eher indirekt kommuniziert, was für uns Deutschland eher ungewöhnlich ist. Für eine erfolgreiche Verhandlung im englischsprachigen Ausland sollten daher die folgenden landesspezifischen Punkte beachtet werden:

Verhandlung in den USA

Amerikaner kommen zwar schnell auf den Punkt in Business Fragen, dennoch legen sie vorab großen Wert auf eine gute persönliche Basis. Man findet sich also als Gesprächsauftakt schnell in einem eher lockeren Small Talk wieder. Ganz so easy wird es jedoch nicht weiterlaufen. Die Freundlichkeit sollte keinesfalls so interpretiert werden, als dass man den Auftrag schon so gut wie in der Tasche hätte. Denn Amerikaner wollen gut aufbereitete Fakten, klare Zielvorstellungen und konkrete pragmatische Projektvorschläge sehen. Man sollte sich daher in Sachen Humor lieber etwas zurückhalten und seine Eloquenz eher in der Projektvorstellung oder der Preisverhandlung selbst ausspielen. Unbedingt einstellen sollte man sich auch auf Feilschen, denn Amerikaner sind rein auf ihren eigenen Erfolg fokussiert und wirken für unser Empfinden fast schon als Hochstapler. Meistens sitzen zudem auch gleich Anwälte mit in der Besprechungsrunde. Dies ist allerdings lediglich darauf zurückzuführen, dass in den USA sehr viele Einzelheiten zum Auftrag in den Vertrag mit aufgenommen werden.

Verhandlungen in England

Auch in England ist die persönliche Ebene sehr entscheidend für die Auftragserteilung. Hier möchte man jedoch nicht nur sicher stellen, dass man sich gut versteht, sondern vor allem auch, dass man fair behandelt wird. Man sollte also sehr offen das Für und Wieder für ein Projekt beleuchten und möglichst gemeinsam Lösungen erarbeiten.

Um im Small Talk glänzen zu können, sollte man sich in Sachen Kultur (z.B. die neueste Theaterpremiere in London), Wetter und sportliche Vorlieben vorab schlau machen. Auch mit dem etwas eigenwilligen trockenen britischen Humor ist man besser vorab vertraut. Denn anders als Amerikaner stehen Briten wenig auf übertrieben gute Laune. Trockene Kommentare und Zynismus ist ihnen viel eher sympathisch. Auch sind sie bekannt für Untertreibung. Wird eine Sache als ‚kleines‘ Problem ausgewiesen, so können dahinter weit mehr mögliche Komplikationen stecken als gedacht.

Abgesehen von diesen kulturellen Unterschieden sollte man natürlich auch sein Business Englisch auf Vordermann bringen. Allein die Sprachkenntnisse aus der Schule reichen hier in der Regel nicht aus.